Sicherlich kennen Sie das so oder so ähnlich: Die Nachbarin hat Sie um einen Gefallen gebeten, eigentlich haben Sie gar keine Zeit, doch es rutscht Ihnen raus: „Ja, das mache ich gerne für sie.“ Im Nachhinein ärgern Sie sich. In der Partnerschaft haben Sie vielleicht schon zum X-ten Mal die Hausarbeit übernommen, obwohl Sie auch mal wieder eine Auszeit für sich brauchen. Auch auf der Arbeit können Sie sich kaum vor Arbeit retten und sagen dennoch „ja“ zu Aufgaben, die an Sie herangetragen werden.  Zu viel „ja“ sagen, wird möglicherweise zu einer großen Herausforderung in Beruf und Alltag.

„Hätte ich doch Nein gesagt!“ oder „Wie schaffe ich es nicht immer Ja zu sagen?“, kann dann als innerer Satz auftauchen und vielleicht sogar zu eigenen Vorwürfen werden.

Wie Sie es schaffen können Ihr „Nein“ mehr in den Vordergrund zu bringen, erfahren Sie in diesem Artikel.

 

 

 

Frau Nein Sagen Selbstfürsorge

 

 

Wann sagen Sie bereits Nein?

 

Gehen Sie vorab auf eine kleine Reise. Erkunden Sie, ob Sie wirklich immer nur „Ja“ zu allem sagen oder ob es auch Situationen gibt, in denen Sie schon auch mal „Nein-Sagen“. Es kann passieren, dass wir es vergessen und nur noch vor Augen haben, dass wir es nicht hinbekommen, uns für uns selbst einzusetzen.

Die Momente zu erkennen, in denen wir bereits das Erwünsche geschafft haben, kann eine Motivation sein, um es zukünftig wieder schaffen zu können. Natürlich ist nicht jede Situation gleich und die Umstände können ganz andere gewesen sein. Deswegen kann es hilfreich sein genau hinzuschauen und zu entdecken, was damals dazu geführt hat, ein „Nein“ über die Lippen zu bringen.

 

Wie haben Sie es bereits geschafft „Nein“ zu sagen?

 

Es gab sicherlich schon Situationen in ihrem Leben, in denen Sie auch etwas abgesagt haben. Überlegen Sie einmal. Wie haben Sie es in dem Moment geschafft? Vielleicht denken Sie jetzt, dass das doch was ganz anderes war. Das ist sicherlich so, und trotzdem können wir diese Erfahrungen nutzen, um uns auf die Suche zu machen. Auf die Suche nach Werkzeugen, die Sie damals unterstützt haben ihre Meinung, ihren Standpunkt oder die Wahrnehmung Ihrer Interessen auszudrücken.

Vielleicht hatten Sie in dem Moment eine innere Überzeugung, vielleicht waren Sie weniger gestresst, vielleicht waren sie stabiler oder sie hatten sich vorher vorgenommen nicht immer „ja“ zu sagen. Was es auch war, sammeln Sie einmal und nehmen sie sich Zeit zum Überlegen.  Häufig braucht es etwas, um auszumachen, welche Mittel wir schon einmal für uns genutzt haben.

Schreiben Sie sich gerne auf einzelnen Zetteln auf, was da alles zusammengekommen ist. Nach meinen Erfahrungen kann das die Vielfalt der bereits vorhandenen Werkzeuge verdeutlichen. Wenn Sie die einzelnen Blätter vor sich haben, kann es eine ganz andere Wirkung haben, als es sich nur zu denken. Oft erkennen wir, wie reichhaltig unsere Möglichkeiten sind. Wir sehen auf einmal, dass wir den Situationen nicht hilflos ausgesetzt sind, wir haben bereits Mittel zur Verfügung. Vielleicht hat in der Vergangenheit ein stärkender Satz geholfen: „Du bist es Wert auf dich zu achten!“. Vielleicht auch ein festes Gefühl, das Ihnen geholfen hat, bei sich und ihren Überzeugungen zu bleiben. Vielleicht auch Vorstellungsbilder, dass Ihnen beispielsweise ihr soziales Netzwerk den Rücken stärkt. Vielleicht auch etwas ganz Anderes.

 

 

 

Frau Buch Ideen Coaching

 

 

 

 

Nutzen Sie Ihre Werkzeuge für die Zukunft

 

Das Bewusstsein über die Möglichkeiten, kann bereits hilfreich sein für die nächste „Ja“-„Nein“ Entscheidung. Aber vergraben Sie Ihre Werkzeuge nicht wieder, arbeiten Sie mit Ihnen. Nutzen Sie Ihre Schätze. Füllen Sie Ihren Werkzeugkoffer auch gerne immer mal wieder auf. Nicht jedes Werkzeug ist für jeden Moment geeignet. Manchmal ist es vielleicht nicht hilfreich, zum Beispiel die innere Kämpferin für ein „Nein-Sagen“ herauszuholen. Vielleicht verschreckt man die eigene Kollegin doch zu sehr. Aber vielleicht kann der stärkende innere Satz: “Du schaffst das!“, schon reichen, um ein angemessenes „Nein“ zu formulieren.

Vielleicht ist es auch ein nächster Schritt erst einmal zu entschleunigen und kurz innezuhalten, bei der nächsten Frage vom Partner: „Kannst du die Kinder heute abholen?“. Die kleine Pause kann helfen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen: Möchte ich das oder möchte ich das nicht? So, können Sie immer wieder aufs Neue entscheiden, ob Sie etwas zusagen oder absagen möchten. Sie haben Ihre Entscheidungen dann vielleicht mehr in der Hand.

Sie vergessen Ihre Werkzeuge? Dann überlegen Sie sich eine Erinnerungsmöglichkeit. Vielleicht ein Symbol, das Sie an all Ihre Mittel erinnert oder Sie hängen sich die Zettel in Ihr Arbeitszimmer oder sie besprechen Ihre Erkenntnisse mit einer Freundin und bitten sie, Sie immer mal an Ihre Schätze zu erinnern.

 

 

Schrittweise Umsetzung

 

Ein „Nein“ zu formulieren kann eine große Herausforderung in Beruf und Alltag sein. Es gibt viele Gründe, wieso wir oft „Ja“ sagen, obwohl das nicht immer gut für uns ist. Wir sollten das „Ja“ auch nicht gleich über Board werfen. Wir haben gute Gründe, warum es uns immer wieder über die Lippen rutscht. Ein Ausprobieren kann hilfreich sein, um nicht gleich in die nächste Stressfalle zu tappen. Vielleicht nehmen Sie sich in der nächsten schwierigen Situation erst einmal vor, überhaupt an eins ihrer Werkzeuge zu denken. Das ist schon ein großer Schritt. Selbst, wenn die Anwendung und Umsetzung noch nicht funktioniert sind Sie einen Schritt weiter.

Sammeln Sie auch Ihre Erfahrungen und beobachten Sie, ob die Anwendung Ihrer Werkzeuge hilfreich ist. Auch beobachten Sie mal, was passiert, wenn Sie tatsächlich ein „Nein“ formulieren. Tut es Ihnen gut und unterstützt Ihre Selbstfürsorge oder verursacht es mehr Stress oder die befürchteten Konflikte mit dem Kollegen treten nicht auf oder sind sie verunsichert? Schauen Sie, wie es Ihnen mit Ihrer Änderung geht. Fangen Sie gerne klein an, um die Kontrolle behalten zu können.

 

Wenn Sie Ihre Erfahrungen mitteilen möchten, hinterlassen Sie gerne einen Kommentar.